Meine ersten Eindrücke in Addis Abeba

(c) Ahijah Ndomba

Lebhaft. Einprägsam. Schwungvoll.

Diese Wörter beschreiben meine ersten zwei Tage in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba ziemlich genau, was bei circa 3.3 Millionen Einwohnern sicherlich nicht verwunderlich ist. Nachdem ich, wie im vorherigen Blog-Eintrag bereits beschrieben, im Hotel angekommen bin, habe ich mich am selben Tag mit einem äthiopischen Unternehmer zum Termin verabredet. Gemeinsam mit seinen Eltern, führt er ein Familienunternehmen im Kaffeeexport in dritter Generation und verfügt zudem über ein ausgedehntes Netzwerk im Lande sowie über eine internationale Ausbildung. Darüber hinaus betreibt er seine eigene Beratung für Market Research, die vor allem internationale Kunden bedient. VOLLTREFFER würde ich sagen!

Der Termin fand um 10:00 Uhr in der Zentrale seines Familienunternehmens statt. Wie in Äthiopien (bisher) üblich gab es zu Beginn ein wenig Smalltalk und den besten Kaffee, den ich bis dahin getrunken hatte. Nachdem ich meine Ziele in Addis übermittelt habe, hat er es sich zur persönlichen Aufgabe gemacht, mich so gut wie möglich und vor allem persönlich zu unterstützen. Drei Anrufe und 30 Minuten später hatten wir schon drei Termine. Während ich am Evaluieren war, wie und wann ich die Termine am besten „staffe“, hat der Unternehmer bereits seine Autoschlüssel in die Hand genommen und mich persönlich zu jedem Termin gefahren.

Aus den drei Terminen konnte ich sehr gute und hoffentlich auch sehr relevante und hilfreiche Informationen gewinnen.

Um ca. 16:00 Uhr ging es dann gemeinsam mit seinem Geschäftspartner zum gemeinsamen Mittagessen. Auf der Tagesordnung stand Essen aus dem Jemen, was in unserem Fall Reis, Lamm, Hummus und Fladenbrot jemenitischer Art hieß.
Obwohl die Mitarbeiter in Addis Abeba über limitierte Englischkenntnisse verfügten, versuchten diese ihr Bestes, mich in Äthiopien willkommen zu heißen. Die Bestellung übernahmen die beiden Herren für uns alle auf Amharisch, der offiziellen Amtssprache Äthiopiens.

Am zweiten Tag hatte ich einen Termin bei der „Ethiopian Investment Commission“ in Addis Abeba. Um circa 10 Uhr und nach einer Tasse äthiopischem Kaffee, bin ich in den Bürogebäuden der Commission angekommen. Ich habe gehofft, über die Commission an für uns interessante Unternehmen in der Energie- und Wasserwirtschaft, sowie an Hersteller von Lehmbauprodukten zu kommen. Im Büro angekommen, habe ich dem Commissioner über unser Vorhaben informiert. Dieser hat mich dann an seinen Investment Promotion Expert im Hause weitergeleitet. Nach diesem Gespräch beendete der Experte das Gespräch mit dem Satz: „We are always excited to help foreign direct investment projects in Ethiopia“, bevor er mich an die nächst höhere Instanz verwiesen hat. Nach circa. einer Stunde hatte ich alle Informationen, die ich benötige – da soll noch jemand sagen, dass die Mühlen der Verwaltung langsam mahlen.

Den zweiten Termin hatte ich mit einem offiziellen Mitarbeiter der Investitionsabteilung in einem anderen Büro in Addis Abeba. Da meine Ankunft für ihn sehr spontan kam und er bereits andere Termine hatte, hatten wir leider nur Zeit für ein ca. 20-minütiges Kurzgespräch, mit der Vereinbarung uns morgen Nachmittag genauer zu unterhalten.

Den letzten Termin habe ich heute um 19:30 Uhr mit einem deutschen Unternehmer, der schon seit 53 Jahren in Addis Abeba tätig ist. Ich erhoffe mir von diesem Treffen „realistische“ Einschätzungen über die für uns interessanten Märkte, Kontakte und vielleicht sogar Tipps und Tricks über die Art und Weise, wie deutsche Unternehmen/Unternehmer in Addis Abeba erfolgreich Fuß fassen können.

Alles in einem waren die ersten zwei Tage erfolgreicher als anfangs von mir geplant. Ich habe die Äthiopier als sehr hilfsbereite und zuvorkommende Menschen kennenlernen dürfen.

Mein erstes Fazit? Es ist definitiv ein „People business“ was heißt, dass ein Netzwerk unabdingbar ist. Meiner bisherigen Einschätzung zufolge ist das Spiel vorbei, wenn Unternehmen auf eigene Faust und ohne Kontakte versuchen in Äthiopien erfolgreich zu werden. Nichtsdestotrotz habe ich noch einige Tage vor mir und wer weiß, vielleicht ändert sich mein bisheriges Fazit ja doch noch.

Ich hoffe sehr, dass die nächsten Tage ähnlich verlaufen werden. Selbstverständlich werde ich euch weiterhin von unserem „Abenteuer“ berichten und ausführlich berichten.

Liebe Grüße aus Addis Abeba

Euer Ahijah