Der äthiopische Solarmarkt

(c) Ahijah Ndomba

Am Dienstagmorgen hatte ich mein erstes Meeting mit einem deutschen Bänker im Zentrum von Addis Abeba. Von dem Treffen hatte ich mir eine Einschätzung über die Entwicklungen des Finanzmarktes in Äthiopien, sowie deren Bedeutung für internationale Unternehmen erhofft. Grundsätzlich herrscht in Äthiopien ein Devisenmangel was heißt, dass eine Knappheit an Zahlungsmitteln in ausländischer Währung besteht. Für internationale Unternehmen stellt diese Problematik eine enorme Hürde dar, da es schwer ist, seine potenziellen Gewinne in Euro oder US-Dollar umzuwandeln. Der Bankfachmann hat mir klar gemacht, dass sich deutsche Unternehmen dieser Problematik bewusst sein müssen, da sich dieses Problem seiner Einschätzung nach, nicht so schnell lösen wird. Zudem besteht in Äthiopien das Problem, dass man als internationales Unternehmen nicht immer sofort auf seine (potenziellen) Gewinne zurückgreifen kann. Der Devisenmangel sorgt jedoch aus der äthiopischen Perspektive für ein erhöhtes Interesse, um mit internationalen Unternehmen zusammenzuarbeiten.

In naher Zukunft wird erwartet, dass sich die äthiopischen Märkte weiter liberalisieren, um ausländische Investoren anzuziehen. Vieles befindet sich zurzeit in staatlicher Hand, was den bisherigen Eindruck hinterlässt, dass sich Projekte ohne die Zustimmung der Regierung schwer bis gar nicht realisieren lassen. Auch diese Problematik wurde von der äthiopischen Regierung erkannt, bisher jedoch noch mit unbestimmtem Ausgang. Der Bankier selbst geht davon aus, dass viele bisher verschlossene Märkte für den privaten Sektor geöffnet werden.

Darüber hinaus sollten gerade deutsche Unternehmen, die planen sich in Äthiopien zu etablieren, eine langfristige Denkweise mitbringen. Die Märkte, die Bürokratie und die Prozesse sind starr und erschweren den Markteintritt. Mein Kontakt hat im selben Kontext auch erneut auf die enorme Bedeutung von lokalen Partnern hingewiesen, ohne die der Markteintritt schwer ist. Wie so eine Partnerschaft im Detail aussieht, hängt u.a. vom Projekt oder der Branche ab, womit kein Raum für Pauschalisierungen besteht. 

Zum Ende unseres Meetings hat mir der Bänker noch einige lokale Banken empfohlen, die Erfahrungen mit internationalen Unternehmen haben und gute Konditionen anbieten.

Die nächsten Termine hatte ich mit lokal etablierten Solar-Importeuren. Schwerpunktmäßig haben wir uns in den Gesprächen über den Solarmarkt und die Chancen in Äthiopien, chinesische Wettbewerber, deutsche Benefits und After-sales-services unterhalten. Die Termine habe ich als sehr positiv und hilfreich empfunden. Besonders vorteilhaft ist, dass alle Unternehmen Projekterfahrungen mit europäischen Unternehmen haben. Zudem weisen die Unternehmen auch Erfahrungen auf, wenn es um die Skizzierung von Projektvorhaben in Bezug auf öffentliche Ausschreibungen geht. Aufgrund von chinesischen und indischen Wettbewerbern, die Solarprodukte zu günstigeren Preisen anbieten, wenn auch qualitativ minderwertig, bleiben für deutsche Unternehmen fast ausschließlich B2G (Business to Government) Vorhaben. Zudem ist der Energiemarkt in Äthiopien derzeit noch sehr stark reguliert. Die Unternehmer waren sich jedoch darüber einig, dass sich der Energiemarkt in eine positive Richtung bewegt und sich von einem preissensitiven hin zu einem qualitativen Markt entwickelt.

Im Hinblick auf die After-sales-services wiesen zwei von drei Unternehmen auf, dass sie ein vollumfängliches Supportsystem haben, welches Probleme (wie z.B. eine defekte Batterie) je nach Distanz und Umfang, innerhalb von 2-7 Tagen beheben können. Ein Grund hierfür dürften interne Schulungs- und Trainingsmaßnahmen, sowie interne Reparaturwerkstätten sein. Den Unternehmern ist es sehr wichtig, dass ihre Belegschaft auf dem bestmöglichen Niveau operiert und ihre Aufgaben qualitativ löst.   

Für mich persönlich war es schön zu sehen, dass die Unternehmer, die ich bisher angetroffen habe, in ihren Projekten nicht nur auf die rein wirtschaftlichen, sondern auch auf die sozialen Aspekte Rücksicht nehmen. Elektrizität ist ein sehr großes Problem für die äthiopische Bevölkerung, in der nach diversen Einschätzungen ca. 58 Millionen Menschen keinen Zugang zur Elektrizität haben. In einigen Projekten, die sich primär mit dezentraler Energie befassen, achten einige Unternehmen nur darauf, dass sie kostendeckend fahren. Meinen Kontakten geht es aber vielmehr darum, dass sich das Land entwickelt.

Ein schöner Gedanke, wie ich finde.

In meinen letzten Tagen in Addis Abeba werde ich noch einige Gespräche mit diversen Unternehmen führen. Am Donnerstag ist dies leider aufgrund des Feiertages nicht möglich, dennoch habe ich mit dem Freitag und Samstag noch zwei Tage, in denen ich mir diverse Einschätzungen einholen kann.

Bis dahin wünsche ich Euch Gesundheit und eine schöne Restwoche!

Euer

Ahijah